Fehlende Ersatzteile: S-Bahn München hat Fahrzeugengpaß

S-Bahn Markt Altomünster

S-Bahn “Markt Altomünster”. Foto: Marcus Bölt

Wegen Lieferverzögerungen bei Ersatzteilen müssen sich die S-Bahn-Fahrgäste in München auf ausfallende Taktverstärker und kürzere Züge während der Pfingstferien einstellen. So teilt es die Deutsche Bahn mit.

Es wird spannend, wie in den nächsten zwei Wochen der Betrieb aussehen wird. Ausfallende Taktverstärker und verkürzte Züge sind seit Monaten an der Tagesordnung. Wenn man sich nun zu einer Pressemitteilung veranlasst sieht, scheint sich das noch einmal zu verschärfen.

Informationen zum aktuellen Betrieb bietet die S-Bahn über den Streckenagent als Newsletter, auf Twitter und auf ihrer Homepage.

Hartmut Mehdorn als Chef von Air Berlin vorgeschlagen

Hoffentlich landen sie auch zukünftig noch sicher mit Air Berlin. Foto: Marcus Bölt

Heute Morgen hat Air Berlin-Chef Joachim Hunold öffentlich verkündet, dass er seinen Rücktritt zum 1. September angeboten hat. Gleichzeitig schlug er den früheren Bahn-Chef Hartmut Mehdorn als vorübergehenden Nachfolger vor. Ob dies eine weise Entscheidung war darf angesichts des Scherbenhaufens Deutsche Bahn, den Hartmut Mehdorn hinterlassen hatte, angezweifelt werden.

Als Bahnchef hat sich Hartmut Mehdorn einige Schnitzer geleistet. Nicht nur, dass er einen extrem harten Sparkurs diktiert hat, an dem die Bahn noch einige Jahre zu leiden hat, trotz teilweiser Umkehr durch Rüdiger Grube.  In die Verantwortung von Hartmut Mehdorn fallen auch Marketing-, Vertriebs- und Führungsdesaster. Als Beispiel sei hier die Tarifreform von 2003 genannt, mit der erfolglosen Abschaffung der BahnCard 50. Zu groß war der Widerstand und die Empörung bei den Kunden der Bahn. Die Reform musste reformiert werden.

2008 wurde das Jahr der Achsen. Nach einer Entgleisung eines ICEs auf der Kölner Hohenzollernbrücke mussten die Züge öfters zum Achsencheck. Es wurden Haarrisse entdeckt, die Züge mussten noch öfter zum Check. Bei den ICE-T-Zügen konnte sogar die Neigetechnik nicht mehr zum Einsatz kommen. Die Folgen waren Zugausfälle, Kapazitätseinschränkungen und Fahrzeitverlängerungen. Die Werkstätten waren überlastet, die Kapazitäten durch den konsequenten Abbau der Jahre vorher nicht mehr vorhanden. Die Checks wurden in den Vorgängerjahren immer weiter auseinandergezogen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis so etwas passieren musste. Es war unheimliches Glück, dass die Achse des ICE nicht 30 Minuten vorher bei 300 km/h gebrochen ist.

Doch nicht nur die ICEs waren von den Achsen betroffen, viele weitere Baureihen – darunter auch die Berliner S-Bahn – verwendeten die gleichen Achsen. Das Berliner S-Bahn-Chaos von 2009 – schon nach Mehdorn aber Auswirkungen aus seiner Amtszeit – ist vielen noch deutlich in Erinnerung. Den Berliner Fahrgästen sowieso, ist die S-Bahn doch bis heute noch nicht in den normalen Betrieb zurückgekehrt. Hier waren es nicht nur die Schließung von Werkstätten, auch gefälschte Papiere sind der Grund für das Chaos – als Folge eines absoluten Sparwahns.

Auch die Speisewagen wollte Hartmut Mehdorn 2003 abschaffen. Gerade die Speisewagen sind eigentlich ein absolutes Alleinstellungsmerkmal der Bahn. So etwas gibt es im Flugzeug nicht, das kann das Auto nicht bieten: unterwegs gemütlich speisen und gleichzeitig vorwärts kommen. Auch hier scheiterte Mehdorn am Widerstand der Öffentlichkeit.

Die 10 Jahre der Deutschen Bahn unter Hartmut Mehdorn ist gefüllt mit Pleiten, Pech und Pannen, Streiks und der Datenschutzaffäre, bei der die Bahn ihre eigenen Mitarbeiter ausspähen ließ. Es bleibt zu hoffen, dass die Ära Hartmut Mehdorn – sofern sie denn wirklich kommt – auch nur eine kurze Interims-Ära wird und ein richtiger Nachfolger für Joachim Hunold gefunden wird. Ansonsten kann man nur sagen: Tschüß, Air Berlin. Deine Tage sind gezählt.