Organspende – wir müssen endlich was tun

Vor kurzem hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dazu aufgerufen, dass sich jeder Bürger mit der Organspende befassen soll. Hintergrund ist, dass die Zahl der Organspender einen neuen Tiefpunkt erreicht hat. 2017 warteten 10.000 Menschen auf eine Organspende, aber es gab nur 797 Spender.

Es muss also etwas getan werden. Forderungen nach der Widerspruchslösung, wie sie zuletzt die Niederlande eingeführt haben, werden laut. Widerspruchslösung bedeutet, dass jeder grundsätzlich als Organspender gilt, wenn er nicht aktiv widerspricht. Das klingt in erster Linie erst einmal gut.

Aber wie sieht der Widerspruch aus. Muss der Widerspruch auf einer Karte festgehalten werden, wie der derzeite Organspendeausweis? Oder braucht es dazu eine Patientenverfügung? Und wo wird das aufbewahrt? Fragen, über die man sich ausreichend Gedanken machen muss.

Mein Vorschlag

Aus meiner Sicht kann es nur eine Lösung geben: Jeder, der das 18. Lebensjahr vollendet, muss über die Krankenkasse informiert werden und eine Rückantwort geben: ich stimme einer Organspende zu oder ich stimme einer Organspende nicht zu. Verpflichtend. Gespeichert wird das bei der Krankenkasse und ist von den Krankenhäusern abrufbar. Oder es wird auf dem Personalausweis gespeichert und die Entscheidung muss mit jedem neuen Ausweis neu bestätigt werden.

Ich weiß, es gibt viele Gründe gegen Organspenden zu sein. Persönliches Unbehagen und an erster Stelle wohl religiöse Gründe. Das muss man respektieren. Dennoch sollte sich jeder Gedanken darüber machen müssen – und eine Entscheidung treffen. Denn heute müssen das noch viel zu oft die Angehörigen entscheiden, in einer Situation, in der sie zu so einer Entscheidung gar nicht fähig sind.

Der Gesetzgeber ist also gefordert, eine möglichst verträgliche Lösung zu finden, die alle Belange berücksichtigt. Eine möglichst breite Versorgung von Organspenden, aber auch eine möglichst gute Aufklärung und hürdenfreien Widerspruch. Aber es ist Zeit, hier etwas zu unternehmen und nicht nur zu reden. Das tut die Politik schon zu lange.

Was jeder tun kann

Organspendeausweis

Ich habe einen Organspendeausweis. Und Du? Es gibt keinen Grund, keinen zu haben. Foto: Marcus Bölt

Schön, dass Du meinen Text gelesen hat. Wie wäre es, wenn Du Dir jetzt einmal selbst Gedanken machst, ob Du Organspender sein willst oder nicht. Hier kannst Du einen Organspendeausweis herunterladen und ausdrucken oder bestellen. Auch bei den Krankenkassen lassen sich Organspendeausweise bestellen. Man kann dort nicht nur der Organspende zustimmen, man kann auch eine eingeschränkte Zustimmung für bestimmte Organe geben oder der Organspende widersprechen.

Bestelle Dir jetzt den Ausweis, denke bis zum Eintreffen darüber nach und halte Deine Entscheidung fest. Egal, wie Du Dich entscheidest. Es gibt kein richtig oder falsch. Übrigens: auch Menschen mit chronischen Erkrankungen können Organe spenden. Die Eignung, welche Organe gespendet werden können oder nicht, treffen die Ärzte. Also keine Scheu.

Ich habe einen Organspendeausweis. Und wie ist es mit Dir? Bist Du dafür oder dagegen? Oder hast Du andere Ideen? Schreib es in die Kommentare.

Beherrsche ICT!

Die Insulinpumpe begleitet mich seit 2013.

Seit über vier Jahren werde ich über eine Insulinpumpe versorgt. Jetzt ist mir etwas passiert, was mir noch nie passiert ist: mir ging mein Pumpenzubehör aus. Genauer gesagt: die Ampullen, in die ich das Insulin aufziehen muss. Ein Katastrophenfall!

Wie konnte das geschehen? Nun, es ist die Bequemlichkeit. Von November 2016 ab konnte ich beim Diabetesversand meines Vertrauens einfach eine Bestellung aufgeben. Die Krankenkasse hat den Bezug meines Bedarfs über den Diabetesversand für 12 Monate genehmigt – 1584,87 €. Das bedeutet: ich brauchte für die 12 Monate auch keine Rezepte mehr.

Jetzt ist der bewilligte Zeitraum zu Ende Oktober abgelaufen. Ich brauchte aber erst einmal nichts, ich war noch genügend versorgt. Allerdings wartete ich zu lange. Denn zuerste einmal brauchte ich wieder Rezepte, die ich beim Diabetesversand einreiche. Der Diabetesversand holt sich dann die Genehmigung durch die Krankenkasse und kann mich erst dann belieferen. Und die Zeit, die das Dauert, habe ich schlichtweg unterschätzt.

Und es kam, wie es kommen musste: ich konnte meine Pumpe nicht mehr mit Insulin befüllen. Also was tun?

Zurück zu ICT

Das einzige, was man tun kann: zurück zur intensivierten Insulintherapie, ICT abgekürzt. Während mich die Pumpe laufend mit meiner Basaldosis versorgt hat, benötigte ich nun wieder ein zweites, langzeitwirkendes Insulin. Aber wie wird es dosiert? Anstatt laufender Injektionen alle paar Minuten durch die Pumpe, wird es nur zweimal täglich von mir gespritzt. Anhand eines komplett anderen Wirkprofils kommt es ja nicht nur auf die Dosis, sondern auch auf den richtigen Zeitpunkt an.

Die Insulininjektionen von Levemir wurden wieder für eine Woche Alltag.

Gut, dass ich mir in diesen vier Jahren selbst zweimal eine Pumpenpause verordnet habe. Was eigentlich ein Problem mit sich ständig lösenden Kathetern im Hochsommer war, hat sich hier als echter Glücksfall entwickelt. Zum Einen, habe ich mein Wissen und Können von ICT wieder aufgefrischt, zum Anderen kannte ich damit die ungefährere Dosis und den Injektionszeitpunkt. Außerdem hatte ich noch Levemir, das langzeitwirkende Insulin, zuhause im Kühlschrank.

So konnte ich problemlos die knapp eine Woche, die es dauerte bis ich meine Insulinpumpe wieder in Betrieb nehmen konnte, ohne Probleme überstehen. Meine Blutzuckerwerte haben im Großen und Ganzen gepasst und sind nur in den Umstellungszeiten relevant abgewichen. Alles nochmal gut gegangen.

Die Moral von der Geschichte: es ist immer gut, beide Insuline im Haus zu haben – und das in Penpatronen, um jederzeit umstellen zu können. Außerdem waren die jeweils vierwöchigen Pumpenpausen sehr hilfreich, da ich dadurch meine Injektionsdosen gut kannte. Wenn heute etwas sein sollte – wieder meine eigene Schusseligkeit oder ein Defekt der Insulinpumpe – kann ich jederzeit und sicher meine Insulintherapie fortführen.

Verschlaucht: Insulinpumpentherapie hat begonnen

Seit gestern hänge ich am Schlauch – ich habe eine Insulinpumpe bekommen. Die nächsten vier Monate darf ich sie zur Probe tragen, dann will die Krankenkasse erst über eine endgültige Kostenübernahme entscheiden. Mein erster Eindruck: ein Gefühl von Freiheit.

Insulinpumpe

Die Insulinpumpe begleitet mich seit 2013.

Das Messen des Blutzuckers bleibt zwar nach wie vor, aber die elendige Spritzerei entfällt – die Versorgung erfolgt jetzt über die Pumpe. Vorbei die Zeit, bei der man sich am Imbissstand halb ausziehen musste um die Spritze zu setzen. Jetzt geht das ganz diskret, die Personen drum rum bekommen nichts mit.

Beim Zu-Bett-Gehen überlegt ich zuerst noch, wohin mit dem Ding? Aber einfach im Bett neben einem liegen lassen reicht aus. Auch wenn ich mich in der Nacht drüber wälze, da passiert nix. Und sonst? Ich merke nicht einmal, dass etwas an mir hängt. Die Blutzuckerwerte sehen bisher auch ganz gut aus, ein erster Basalratentest in der Nacht zeigte eine sehr gute Einstellung. Hoffentlich hält sich das auch die nächsten Tage. Ich werde weiter berichten.

Die neue Exekutive

Wir leben in einem unsicheren Land, voller Gewalt, voller Überfälle. Man darf sich nachts nicht mehr auf die Straße trauen, andere Leute ansprechen sowieso nicht mehr. Zu leicht könnte einem eine Faust entgegenkommen, ein inneres Organ die unangenehme Bekanntschaft eines Messers machen oder im schlimmsten Fall sogar mit einer Kugel.

Deutschland ist unsicher geworden. Das Aufbauschen jedes noch so kleinen Falls in den Medien, die medial wirksame Empörung von Politikern aller Parteien und der inflationäre Gebrauch des Wortes Videoüberwachung und der massive Ausbau selbiger lässt dieses nicht nur vermuten, nein, man bekommt als Bürger sogar das Gefühl, es wäre so. Aber seien wir uns doch mal ehrlich: So sicher wie heute waren wir noch nie!

Die Videoüberwachung, von Bürgern und Politikern sowohl verschärft gefordert als auch abgelehnt, scheint die Polizei als Exekutive ablösen zu sollen, so drängt sich mir der Verdacht auf. Ist sie doch billiger im Unterhalt als die Bezahlung eines Polizisten. Aber bringt sie wirklich mehr Sicherheit? Definitiv: nein.

Videokameras können uns lediglich als stumme Zeugen dienen. Ein Überfall, eine Gewalttat wird durch sie nicht verhindert, sie wird nur aufgezeichnet in einer Bildqualität, in der sich kaum ein Täter eindeutig identifizieren lässt.

Aber warum wird die Videoüberwachung als Erfolg verkauft? Nun, auf den ersten Blick ist sie das vielleicht. In Bussen hat man positive Erfahrung damit, weil sie Vandalismus verringerte. Sicherlich, die Schüler sind ja auch nicht blöd. Wenn sie jedem Tag mit dem gleichen Bus zur Schule fahren, können sie auch tatsächlich erkannt und erwischt werden. Es braucht nur jemand in genau diesen Bus einsteigen. Aber abends, im Gelegenheitsverkehr? Vielleicht schreckt die Überwachung ein wenig ab, solange sie neu ist. Aber nachdem wir uns gerade daran gewöhnen, wird das Bild bald das alte sein. Die Chance, damit jemanden zu erwischen tendiert gegen null.

Können Sicherheitsdienste und Polizei Gewalttaten verhindern? Auch hier lautet die Antwort leider: nein. Aber sie können die Bereitschaft dazu senken. Sicher sind Sicherheitsdienste und Polizei nicht immer präsent wie eine Videokamera. Aber wie ich eben schon anführte, an dauernde Präsenz gewöhnt man sich. An häufige Präsenz, wie sie die Sicherheitsdienste und die Polizei bieten können, jedoch nicht.

Fatalerweise haben wir in den letzten Jahren ständig im Bereich der Polizei Stellen abgebaut und Kosteneinsparung betrieben. Und es wird noch weitergehen. Und genau die gleichen Politiker, die uns die Videoüberwachung als mehr Sicherheit verkaufen wollen, haben den Abbau und die Einsparung verschuldet. Diese Politiker haben unsere Sicherheit verkauft, um ihren Haushalt zu konsolidieren, anstatt an anderen Stellen das Geld einzusparen – oder müssen wir tatsächlich China einen U-Bahn finanzieren?

Kommt es zu einer Gewalttat, an der eine Videokamera und eine Polizeistreife vor Ort ist, wer wird Eurer Meinung nach Schlimmeres verhindern? Sicherheitsdienste und Polizei können aktiv eingreifen, die Kamera wird immer nur eines machen: zuschauen. Die Kamera ruft keinen Rettungsdienst, die Kamera kann keine Erste Hilfe leisten. Und ist das Bild nicht zufällig auf einen Monitor aufgeschaltet, bleibt das Opfer auch weiter ohne Hilfe. Und das soll ein Sicherheitsgewinn sein?

Im Rahmen des Umbaus unseres Staates in einen Überwachungsstaat werden die Kameras sicherlich gute Hilfe leisten können. Eine denkbare Szene in nicht mehr allzu ferner Zukunft:

Herr B. hat mit Freunden seinen Geburtstag gefeiert und dabei ein Glas Wein konsumiert. Bei der Fahrt nach Hause kommt eine aggressive Gruppe auf der Suche nach einem Opfer auf ihn zu und schlägt ihn grundlos zusammen. Ein zufällig vorbeikommender Passant ruft mit dem Mobiltelefon Hilfe, Herr B. wird mit dem Notarzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Dort kommt der Arzt auf ihn zu und sagt ihm:

“Tja, Herr B. es tut uns leid, aber wir können Sie nicht behandeln. Wie auf den Überwachungskameras des Restaurants zu sehen ist, haben sie ein Glas Wein getrunken und sind nicht mehr nüchtern. Daher verweigert die Krankenkasse die Kostenübernahme für die Behandlung, da bei Ihnen in der elektronischen Gesundheitsakte vor einem Jahr erhöhte Leberwerte festgestellt wurden.

Ausserdem hat man Ihren Rechner online durchsucht und dabei drei Rechnungen eines Weinhändlers gefunden, die in den letzten 12 Monaten ausgestellt wurden. Die Krankenkasse übernimmt keine Kosten für Alkoholismus oder damit verbundene Verletzungen. Und da die Überwachungskamera ihren Überfall wegen eines Defekts nicht aufzeichnen konnte, geht man davon aus, dass Sie betrunken und nicht völlig unschuldig an dem Überfall waren.

Wir haben uns dann von Ihrer Bank eine Auskunft über Ihren Finanzstatus geholt. Tja, da siehts bei Ihnen ja leider auch nicht gut aus, das wissen Sie ja. Daher können wir Sie hier nicht behandeln, sie können uns ja nicht bezahlen und wir müssen ja auch schauen wo unser Geld bleibt. Dafür haben Sie doch sicher Verständnis, nicht? Ich wünsche Ihnen alles Gute. Sollen wir noch jemand anrufen, der sie hier abholt?”

Tja, dumm gelaufen, wie? Nicht dokumentiert im staatlichen Netzwerk der Grausamkeiten wurde, dass Herr B. die erhöhten Leberwerte durch Einnahme von nicht rezeptpflichtigen Medikamenten her stammten. Nicht dokumentiert waren die Geschenke an Freunde, denn Herr B. schenkt seinen Freunden immer eine Flasche Wein zum Geburtstag. Die Szene ist so abwegig leider nicht, die Grundsteine hierfür werden aktuell gelegt. Die Kombination dieser Grundsteine zu einem Überwachungsnetzwerk ist nur noch eine Kleinigkeit.