Erster Schnee – warum die Bahn Störungen hat

Kaum fällt der erste Schnee, schon kommt die Bahn zu spät – das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

So oder so ähnlich hört man es von Bahnkunden, allen voran den Pendlern. Und tatsächlich hat es den Anschein, als gebe es einen Zusammenhang zwischen dem Schnee und einem Bahnchaos. Nun, einen Zusammenhang gibt es tatsächlich.

Allerdings so extrem, wie man es oft zu hören bekommt oder in den Zeitungen liest, ist es auch wieder nicht. Bei tiefsten Temperaturen rollt der Verkehr zuverlässig. Aber Schneefall und Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt – das ist Gift für den Bahnbetrieb. Woran liegt das?

Die meisten Störungen durch Wintereinflüsse tauchen bei den Weichen auf. Das liegt in den seltensten Fällen an einer schlechten oder defekten Heizung der Weichenmechanik. Es sind Eisbrocken, die einen Umlauf der Weichenzunge blockieren und damit die Störung auslösen.

Regionalzug in Salzburg Hbf mit vereistem Unterbau.

Die Weichenheizung, deren Aufgabe lediglich die Verhinderung von Vereisung und das Freihalten von Schnee ist, ist mit diesen Eisbrocken überfordert. Wer bei sich zuhause einen Eiswürfel aus dem Gefrierfach nimmt sieht ja, wie lange es dauert, bis dieser geschmolzen ist. Der Eisbrocken kann also nur durch einen Menschen aus der Weiche entfernt werden.

Doch woher kommen die Eisbrocken? Sie stammen vom Zug. Der Zug sammelt bei seiner Fahrt den Schnee, entweder durch den Schneefall selbst oder er wirbelt ihn aus dem Gleis auf. Durch den Fahrtwind gefriert der Schnee an die Frontfläche und die Unterseite des Zuges. Jeder weitere Schneeflug sammelt sich am vorhanden zu richtig großen Brocken zusammen.

Je größer der Eisbrocken wird, desto schwerer wird er. Irgendwann ist er so schwer, dass er sich vom Zug löst – und wenn man Pech hat in die Weiche. Neben dem Gewicht gibt es noch weitere Faktoren, die dafür sorgen, dass sich ein Eisbrocken vom Zug lösen kann.

Eisbrocken am Regionalzugwagen. Noch hält er.

Zum Einen sind es Eisenbahntunnels, insbesondere längere Tunnelstrecken mit Bahnhöfen, wie man sie bei S-Bahn-Systemen häufig findet. Im Tunnel hat es Temperaturen über dem Gefrierpunkt, die das Eis langsam antauen. Der Brocken fällt damit irgendwann ab – aber mit Pech wieder in einer Weiche. Zum Anderen sind es die Temperaturen um den Gefrierpunkt. Auch hier beginnt der Eisbrocken zu schmelzen und fällt irgendwann ab.

Wirklich etwas dagegen tun kann die Deutsche Bahn nicht. Es sind die Gesetze der Physik, die hier die Störungen verursachen. Und diesen Gesetzen sind wir alle unterworfen – ob wir möchten oder nicht. Es hilft auch nichts, auf die Bahn zu schimpfen – als Fahrgast kann man eh nichts machen. Außer vielleicht ruhig zu bleiben – ist besser für den Blutdruck – und das Beste daraus zu machen: einen Kaffee trinken und durchatmen. Denn diese Weichenstörungen werden bleiben, solange es Winter und Schneefall gibt.

Zugtaufe Anne Frank – Würdigung oder Demütigung?

Vor kurzem gab die Deutsche Bahn die 25 Namen herausragender Deutscher bekannt, nach denen 2018 und 2019 ICE4-Triebzüge benannt werden sollen. Als ich unter der Liste die Namen Anne Frank und Geschwister Scholl las, habe ich mich sehr gefreut.

Aber es gibt auch Menschen, die waren entsetzt: eine deportierte und ermordete Jüdin auf einem Zug, wo doch ausgerechnet die Eisenbahn bei der Deportation groß geholfen hat. Ist das pietätlos und demütigend?

Ich bin der Meinung: Nein. Gerade, weil die Eisenbahn bei der Deportation der Juden in die Vernichtungslager beteiligt war, ist eine Zugtaufe eine Würdigung. Anne Frank, die wohl weltweit bekannteste, ermordete Jüdin, steht hierbei für die Millionen ermordeten Menschen im Dritten Reich. Zusammen mit den Geschwistern Scholl tragen die ICEs eine Botschaft der Mahnung durch ganz Deutschland.

Aber es gibt auch Gefahren, denen die Deutsche Bahn aufmerksam entgegenwirken muss. Es muss sichergestellt sein, dass der ICE Anne Frank niemals mit dem ICE Martin Luther zusammen gekuppelt wird – immerhin war Luther Antisemit. Beide Züge in einem Zugverband wäre tatsächlich eine Demütigung. Daher sollten sollte die Deutsche Bahn gewährleisten, dass hier nur die zwölfteiligen ICEs auf Anne Frank, Martin Luther und Geschwister Scholl getauft werden – auch bei Umtaufen.

Ein feiner Zug der Deutschen Bahn wäre es, im Zug Anne Frank auf die Werbefläche zu verzichten und im Zug stattdessen Infotafeln aufzustellen: über Anne Frank und über die Rolle der Deutschen Reichsbahn bei der Deportation. Im Zug der Geschwister Scholl könnte man über die Weiße Rose und andere Widerstandsgruppen informieren. Damit würde die Deutsche Bahn nicht nur für Bildung unterwegs sorgen, sondern auch die Opfer des Nationalsozialismus nachhaltig würdigen.

Media Monday #323

1. Im September freue ich mich wohl am meisten auf Kingsman: The Golden Circle.

2. Bullyparade läuft mir in letzter Zeit quasi ständig über den Weg, sei es als Werbeplakat, Trailer oder bei Unterhaltungen.

3. Von all diesen mega-gehypten Serien verstehe ich Game of Thrones am wenigsten.

4. Vergleiche ich meinen Enthusiasmus für das Thema/Hobby Eisenbahn mit Filmen bleibt die Eisenbahn klarer Gewinner.

5. Habe ich die Wahl zwischen Buch oder Film kommt es auf die Stimmung und auf das Buch/den Film an.

6. Historie reizt mich ja ganz besonders an Büchern, das regt so sehr die Fantasie an.

7. Zuletzt habe ich Barry Seal im Kino gesehen und das war überraschend und ernüchternd, weil der Film gut gemacht ist, aber unter Tom Cruise leidet.

Der Media Monday wird wöchentlich vom Medienjournal Blog ausgerichtet. Heute war es Ausgabe 323.

CSU weiter für Lohndumping bei den Bahnen

Wie Eurailpress.de berichtet, hat sich die CSU dagegen ausgesprochen, dass die Ausschreibungsvergaben des schienengebundenen Nahverkehrs in Bayern durch die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) an repräsentative Tarifverträge gebunden werden. Die CSU spricht sich damit eindeutig für Lohndumping aus. Auf Kosten der Beschäftigten. Auf Kosten der Bürger. Auf Kosten unser aller Wohl.