Ist die Bahn zu billig?

ICE und Regionalzug

ICE und Regionalzug in München Hbf. Foto: Marcus Bölt

Mit einem Brandbrief an die Führungskräfte der Deutschen Bahn machte der Bahnchef Richard Lutz letzte Woche auf sich aufmerksam. Die Bahn muss sparen, denn die Umsatzzahlen sind schlecht, die Einnahmen sinken – und das trotz neuer Fahrgastrekorde. Der Güterverkehr schwächelt wie eh und je und im Regionalverkehr laufen die langjährige Verkehrsdurchführungsverträge aus, die noch ohne Ausschreibung in Direktvergabe an die Deutsche Bahn gingen – ohne Konkurrenz und mit konkurrenzlos hohen Einnahmen.

Reaktionen

Es war abzusehen und dauerte nur wenige Tage: die Forderung, die Preise zu überprüfen. Der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann (CDU), hat vor allem das Rabattsystem im Auge – also den Sparpreis und den Super-Sparpreis. Eine direkte Forderung nach der Abschaffung der Rabatte wurde zwar nicht formuliert, kann man aber zwischen den Zeilen herauslesen. Doch warum gibt es so viele Sparpreise, wenn dadurch die Gewinne sinken?

Die Konkurrenzsituation

Die Antwort ist einfach: die Deutsche Bahn steht in Konkurrenz. In Konkurrenz zu den Fernbussen, in Konkurrenz zum Flugzeug. Beides wird von der Bundesregierung von Abgaben befreit und dadurch gefördert. Fernbusse sind von der Maut befreit, Fluggesellschaften zahlen auf Kerosin keine Steuern. Und die Deutsche Bahn? Sie muss sowohl die Öko-Steuer, als auch die EEG-Umlage für ihren Strom bezahlen. Eine einseitige Belastung zu Ungunsten des umwelt- und klimafreundlichsten Verkehrsmittels.

Zumindest Air Berlin ist keine Konkurrenz mehr. Foto: Marcus Bölt

Zusätzlich kommt eine weitere Konkurrenz hinzu: der Flixtrain, eine Tochter von Flixbus. André Schwämmlein, Chef von Flixbus, gab bereits Ende August bekannt, das Ziel von 500.000 Passagieren im ersten Jahr um 50% zu übertreffen. Bis Ende 2018 werden 750.000 Passagiere mit den grünen Zügen gefahren sein – zu Preisen ab 9,99 €. In diesem Konkurrenzfeld muss sich die Bahn mit ihrem Fernverkehr behaupten und bietet deshalb den Super-Sparpreis ab 19,90 € und den Sparpreis ab 23,90 € an. Mit ausschließlichem Flexpreis würde man die preissensible Kundschaft nur in die Hände von der Konkurrenz treiben. Ob das für mehr Gewinne sorgen würde? Kann ich mir nicht vorstellen.

Lösungen?

Aber was tun? Die Sparpreise kauft ja nicht nur der preissensible Kunde, sondern auch Kunden, die bereit wären den Flexpreis zu bezahlen. Nur, wer genau weiß welche Züge er nimmt, der wird sich natürlich auch für den Sparpreis entscheiden, wenn er ihm angeboten wird. Der Flexpreis bleibt nur für Kunden, die noch nicht ihre genaue Verbindung kennen oder flexibel bleiben und sich nicht auf einen Zug festlegen wollen. Die nicht vorhandene Zugbindung ist das einzige, das für den Flexpreis spricht.

Mein Vorschlag

Meiner Ansicht nach muss es deutlichere Unterschiede zwischen dem (Super-)Sparpreis und dem Flexpreis geben. Zwischen Super-Sparpreis und Sparpreis wurde bereits eine Unterscheidung gemacht. So sind beim Super-Sparpreis weder das City-Ticket, also die Benutzung des ÖPNV zum bzw. vom Zug, noch – bei 1. Klasse-Ticket – der Zutritt zur DB Lounge inklusive. Zugbindung im Fernverkehr besteht bei beiden Sparpreisen. Es geht also um eine Aufwertung des Flexpreises.
Die Aufwertung könnte zum Beispiel dadurch erfolgen, dass mit dem Flexpreis eine Sitzplatzreservierung inklusive ist. Mit Buchung der Fahrkarte könnte man direkt einen Sitzplatz buchen. Und um die Flexibilität bei der Zugwahl nicht zu verlieren könnte wahlweise ein Gutscheincode ausgegeben werden, mit dem man am Reisetag bis kurz vor Abfahrt des Zuges noch den Sitzplatz buchen kann.

Fazit

Man muss sich jedenfalls etwas überlegen, um einerseits die Gewinne zu steigern und andererseits auch die preissensible Kundschaft zu behalten und gegen die Konkurrenz bestehen zu können. Die Bundesregierung, lieber Herr Ferlemann, sollte endlich aufhören den Fernbus und das Flugzeug besser zu stellen. Und die Bahn muss den Spagat schaffen, sich mit ihren Billigtickets nicht selbst zu kanibalisieren. Der Kunde muss wieder mehr auf den Flexpreis gelockt werden – das schafft man nur mit einem leistungsstarken Angebot.

Wie ist denn Deine Meinung? Hast Du einen Lösungsvorschlag?

Quellen zum Thema

MVG IsarTiger: ein weiteres Ridesharing-Angebot für München

Vor etwa einer Woche hat die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ihr neuestes Mobilitätsprodukt vorgestellt: den MVG IsarTiger. Der IsarTiger ist ein Ridesharing-Angebot, dass in mehreren Stufen getestet und eingeführt wird.

Es handelt sich dabei um einen Service, bei dem sich der Fahrgast über eine App den IsarTiger zur nächsten Haltestelle bestellt. Die App zeigt dabei auch den Weg dorthin an. Als Ziel kann jeder Punkt innerhalb des Bediengebiets angewählt werden, an dem ein sicheres Aussteigen möglich ist. Die Software versucht im Hintergrund die Anmeldungen verschiedener Fahrgäste zusammen zu fassen und so den Weg für ein Fahrzeug zu bündeln. Damit verbindet das Ridesharing die klassischen Taxifahrten mit Anruf-Sammel-Taxis zu einem System.

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Quelle: SWM/MVG

Zum Start beginnt der MVG IsarTiger erstmal in einem relativ kleinen Bediengebiet, dass sich westlich der Altstadt nach Laim, Moosach, Neuhausen, Nymphenburg, Isarvorstadt, Ludwigsvorstadt, Maxvorstadt und das westliche Schwabing erstreckt. In der ersten Stufe ab Mitte Juni 2018 ist der Nutzerkreis erst noch auf die Kunden beschränkt, die ein IsarCard-Abo bei der MVG abgeschlossen haben. Sie werden zu einem freiwilligen Vorab-Test eingeladen. Der IsarTiger steht am Samstag Abend von 19 bis 2 Uhr zu Verfügung.

Voraussichtlich ab Herbst 2018 wird in der zweiten Stufe die Betriebszeit auch auf den Freitag Abend ausgedehnt und der IsarTiger für alle geöffnet. Innerhalb der zweiten Stufe wird die Betriebszeit und das Bediengebiet untersucht und eventuell angepasst. Als dritte Stufe wird der Regelbetrieb angestrebt, nach derzeitigen Planungen ist das etwa Mitte 2020 der Fall.

Ridesharing – das ist nicht neu in München. Seit 2016 ist mit CleverShuttle der erste Anbieter in München unterwegs. Und das mit deutlich größerem Geschäftsgebiet, das fast die gesamte Landeshauptstadt umfasst. Auch die Geschäftszeiten sind ausgeweiteter: täglich ab 10 Uhr lässt sich CleverShuttle nutzen. Sonntags bis 24 Uhr, Montag bis Donnerstag bis 3 Uhr und am Wochenende sogar bis 6 Uhr morgens.

Sicher, die MVG drängt mit ihrem IsarTiger erst einmal auf dem Markt und möchte das Angebot testen. Ich hätte mir jedoch etwas mehr Mut gewünscht. Ein Start im gesamten Stadtgebiet und mit Zeiten, die bis in die Morgenstunde reichen. Der IsarTiger könnte damit eine wunderbare Ergänzung zu den Nachtlinien darstellen und die Gebiete auf Abruf bedienen, die weniger gut versorgt sind oder die letzten Distanz bis zum Ziel überbrücken. Gerade bei den Damen, die etwas ängstlicher sind, nachts nur ungern von der Haltestelle nach Hause gehen und deshalb meist das eigene Auto wählen.

Einen Vorteil wird der IsarTiger sicherlich haben: die MVG ist mit ihrer Marke bekannter und kann mit ihren Apps eine vollständige Lösung bieten – vom öffentlichen Nahverkehr, über Carsharing und Leihfahrrädern ist alles vorhanden. Dieses Gesamtangebot und damit auch die Bekanntheit fehlt bei CleverShuttle, obwohl sie durch die Deutsche Bahn gefördert werden.

So, oder so: ich wünsche dem MVG IsarTiger einen guten Start.

Fehlende Ersatzteile: S-Bahn München hat Fahrzeugengpaß

S-Bahn Markt Altomünster

S-Bahn “Markt Altomünster”. Foto: Marcus Bölt

Wegen Lieferverzögerungen bei Ersatzteilen müssen sich die S-Bahn-Fahrgäste in München auf ausfallende Taktverstärker und kürzere Züge während der Pfingstferien einstellen. So teilt es die Deutsche Bahn mit.

Es wird spannend, wie in den nächsten zwei Wochen der Betrieb aussehen wird. Ausfallende Taktverstärker und verkürzte Züge sind seit Monaten an der Tagesordnung. Wenn man sich nun zu einer Pressemitteilung veranlasst sieht, scheint sich das noch einmal zu verschärfen.

Informationen zum aktuellen Betrieb bietet die S-Bahn über den Streckenagent als Newsletter, auf Twitter und auf ihrer Homepage.

Person im Gleis: Augsburger bekommt nach Wiesn-Besuch Geldauflage

S-Bahn Markt Altomünster

S-Bahn “Markt Altomünster”. Foto: Marcus Bölt

Diesen Wiesn-Besuch wird ein Augsburger nie wieder vergessen. Am Abend es 30. Septembers 2017 wurde er von der Bundespolizei im Gleisbereich um die Münchner Hackerbrücke und den Hauptbahnhof aufgegriffen. Mit über 2 Promille war er in Motorik und im Sprachgebrauch eingeschränkt.

Nun musste er sich vor Gericht für den gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr verantworten. Wie er in den Gleisbereich gekommen ist, fehlt in seiner Erinnerung. Die Forderung der Staatsanwaltschaft schockierte den Mann: 50 Tagessätze zu je 55 Euro wurden als Strafe gefordert. Das Gericht bot an, das Verfahren gegen eine Geldauflage von 800 Euro für eine Augsburger Sozialeinrichtung einzustellen. Der Augsburger, der sein Verhalten bereute, akzeptierte das Angebot.

Insgesamt kam es durch seinen verbotenen Ausflug zu einer Sperrung des S-Bahn-Verkehrs von rund 30 Minuten, mitten im Abtransport der Wiesn-Besucher. Ob die Deutsche Bahn noch wegen Schadensersatz klagen wird, ist bisher nicht bekannt.

Zweite Stammstrecke: München Hbf Bahnhofplatz muss umgeplant werden

S-Bahn am Isartor

S-Bahn am Isartor in Münchens erster Stammstrecke. Foto: Marcus Bölt

Die zweite Stammstrecke ist ein wichtiges Verkehrsprojekt in München. Sie soll die bisherige Stammstrecke ergänzen und damit die Kapazitäten im S-Bahn-Netz erhöhen. Bis zum Spatenstich 2017 gab es viel Streit, viele Umplanungen und ein Ringen um die Finanzierung. Bis jetzt ist dieses Mammutbauprojekt umstritten.

Wie nun bekannt wurde, muss die Deutsche Bahn erneut umplanen. Die Ausschreibung der Bauleistungen für die Station München Hbf Bahnhofplatz hat in der geplanten Form keine Baufirma gefunden, die diese Leistungen ausführen kann. Als Grund wird genannt, dass die Station unterhalb der bestehenden U-Bahn-Station Hauptbahnhof unten der Linien U1, U2, U7 und U8 erstellt werden sollte.

Die Deutsche Bahn hat die Station nach Westen verschoben und die Unterlagen beim Eisenbahnbundesamt (EBA) zur Genehmigung eingereicht. Ob diese Umplanung eine Verzögerung in der Fertigstellung (geplant ist 2026) verursacht und der Kostenrahmen von 3,849 Milliarden Euro eingehalten wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt.

Information zur zweiten Stammstrecke

Erster Schnee – warum die Bahn Störungen hat

Kaum fällt der erste Schnee, schon kommt die Bahn zu spät – das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

So oder so ähnlich hört man es von Bahnkunden, allen voran den Pendlern. Und tatsächlich hat es den Anschein, als gebe es einen Zusammenhang zwischen dem Schnee und einem Bahnchaos. Nun, einen Zusammenhang gibt es tatsächlich.

Allerdings so extrem, wie man es oft zu hören bekommt oder in den Zeitungen liest, ist es auch wieder nicht. Bei tiefsten Temperaturen rollt der Verkehr zuverlässig. Aber Schneefall und Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt – das ist Gift für den Bahnbetrieb. Woran liegt das?

Die meisten Störungen durch Wintereinflüsse tauchen bei den Weichen auf. Das liegt in den seltensten Fällen an einer schlechten oder defekten Heizung der Weichenmechanik. Es sind Eisbrocken, die einen Umlauf der Weichenzunge blockieren und damit die Störung auslösen.

Regionalzug in Salzburg Hbf mit vereistem Unterbau.

Die Weichenheizung, deren Aufgabe lediglich die Verhinderung von Vereisung und das Freihalten von Schnee ist, ist mit diesen Eisbrocken überfordert. Wer bei sich zuhause einen Eiswürfel aus dem Gefrierfach nimmt sieht ja, wie lange es dauert, bis dieser geschmolzen ist. Der Eisbrocken kann also nur durch einen Menschen aus der Weiche entfernt werden.

Doch woher kommen die Eisbrocken? Sie stammen vom Zug. Der Zug sammelt bei seiner Fahrt den Schnee, entweder durch den Schneefall selbst oder er wirbelt ihn aus dem Gleis auf. Durch den Fahrtwind gefriert der Schnee an die Frontfläche und die Unterseite des Zuges. Jeder weitere Schneeflug sammelt sich am vorhanden zu richtig großen Brocken zusammen.

Je größer der Eisbrocken wird, desto schwerer wird er. Irgendwann ist er so schwer, dass er sich vom Zug löst – und wenn man Pech hat in die Weiche. Neben dem Gewicht gibt es noch weitere Faktoren, die dafür sorgen, dass sich ein Eisbrocken vom Zug lösen kann.

Eisbrocken am Regionalzugwagen. Noch hält er.

Zum Einen sind es Eisenbahntunnels, insbesondere längere Tunnelstrecken mit Bahnhöfen, wie man sie bei S-Bahn-Systemen häufig findet. Im Tunnel hat es Temperaturen über dem Gefrierpunkt, die das Eis langsam antauen. Der Brocken fällt damit irgendwann ab – aber mit Pech wieder in einer Weiche. Zum Anderen sind es die Temperaturen um den Gefrierpunkt. Auch hier beginnt der Eisbrocken zu schmelzen und fällt irgendwann ab.

Wirklich etwas dagegen tun kann die Deutsche Bahn nicht. Es sind die Gesetze der Physik, die hier die Störungen verursachen. Und diesen Gesetzen sind wir alle unterworfen – ob wir möchten oder nicht. Es hilft auch nichts, auf die Bahn zu schimpfen – als Fahrgast kann man eh nichts machen. Außer vielleicht ruhig zu bleiben – ist besser für den Blutdruck – und das Beste daraus zu machen: einen Kaffee trinken und durchatmen. Denn diese Weichenstörungen werden bleiben, solange es Winter und Schneefall gibt.

Mit der S-Bahn nach Augsburg – Aktion zum Welt-Aids-Tag

Alljährlich sammelt die S-Bahn München mit einem Sonderzug am Welt-Aids-Tag Geld für die Münchner Aidshilfe. Während man in den letzten Jahren am 1. Dezember mit einem speziell für diesen Tag beklebten Zug der aktuellen Baureihe 423 auf der Stammstrecke zwischen Pasing und Ostbahnhof pendelte, hat man sich für dieses Jahr etwas Neues ausgedacht. Ein Fahrt nach Augsburg.

Ein Zug der Baureihe 420 fährt Richtung Augsburg. Foto: Marcus Bölt

Ein Sonderzug mit der Baureihe 420, der ersten S-Bahn-Baureihe Münchens, startet am 2. Dezember 2017 die Fahrt am Münchner Ostbahnhof. Von dort wird die Stammstrecke durchfahren, über den Nord- und den Südring geht es dann nach Augsburg. In Augsburg besteht dann die Möglichkeit, den Christkindlesmarkt zu besuchen, bevor es nach 2 Stunden wieder zurück nach München geht.

Die Mitfahrt kostet 15 Euro. Fahrkarten können ausschließlich im Zug erworben werden. Los geht es um 12.59 Uhr am Ostbahnhof, Gleis 3. Während der Fahrt stehen Heißgetränke, Plätzchen und Kuchen zur Verfügung. Sämtliche Einnahmen werden an die Münchner Aidshilfe gespendet.

Ich finde, das ist ein feiner Zug der Deutschen Bahn und deren Mitarbeiter. Mitfahrt erwünscht!