Baye­ri­sche Ei­sen­bahn­ge­sell­schaft erteilt Zuschlag im Ver­ga­be­ver­fah­ren „Augs­bur­ger Netze“

Baye­ri­sche Ei­sen­bahn­ge­sell­schaft erteilt Zuschlag im Ver­ga­be­ver­fah­ren „Augs­bur­ger Netze“

22. Dezember 2018 0 Von Marcus

Neue um­stei­ge­freie Linien – Augsburg – Ansbach – Würzburg und – Augsburg – Nörd­lin­gen – Aalen / Re­ak­ti­vie­rung der Stau­den­ / Samstags Halb­stun­den­takt nach Din­kel­scher­ben und Aichach / Mehr Fahr­kom­fort und Platz­ka­pa­zi­tät

Die Baye­ri­sche Ei­sen­bahn­ge­sell­schaft (), die den Regional- und S-Bahn-Verkehr in Bayern plant, fi­nan­ziert und kon­trol­liert, hat heute den Zuschlag für das Projekt „Augs­bur­ger Netze“ im Los 1 an die Go-Ahead Ver­kehrs­ge­sell­schaft Deutsch­land GmbH und im Los 2an die Bayerische Regiobahn GmbH erteilt. Der Zuschlag konnte wegen der Ein­spruchs­mög­lich­kei­ten der un­ter­le­ge­nen Bieter erst nach Ablauf einer zehn­tä­gi­gen War­te­frist nach der Zu­schlags­an­kün­di­gung vom 07. erteilt werden.

Die Go-Ahead Ver­kehrs­ge­sell­schaft Deutsch­land GmbH ist eine Ge­sell­schaft der bri­ti­schen Go-Ahead Group und hat bereits im August 2018 den Zuschlag für das im Dezember be­gin­nen­de E-Netz Allgäu erhalten. Zudem wird Go-Ahead ab 2019 mehrere Verkehre in Baden – Würt­tem­berg, z.T. auch grenz­über­schrei­tend nach Bayern, betreiben. Die Baye­ri­sche Regiobahn GmbH ist der aktuelle Betreiber der aus­ge­schrie­be­nen Linien des Loses 2, der zudem seit dem 9. Dezember 2018 das an­gren­zen­de Die­sel­netz Augsburg I betreibt.

Das Los 1 wurde gemeinsam mit dem Land Baden-Würt­tem­berg aus­ge­schrie­ben und umfasst folgende Linien:
·   Ulm – Augsburg – München
·   Würzburg – Ansbach – Treucht­lin­gen – Do­nau­wörth – Augsburg
·   Aalen – Nörd­lin­gen – Do­nau­wörth

Das Los 2 befindet sich hingegen aus­schließ­lich in Bayern und umfasst folgende Linien:
·   Schongau – Weilheim – Gel­ten­dorf – Mering – Augsburg Hbf – Ges­serts­hau­sen – Lan­gen­neuf­nach
·   Augsburg – Aichach – In­gol­stadt Hbf
·   (In­gol­stadt Hbf) – Eichstätt Bahnhof – Eichstätt Stadt

Die Ver­trags­lauf­ von neun Jahren (Los 2) bzw. zwölf Jahren (Los 1) setzt sich aus drei Be­triebs­stu­fen zusammen. Das Leis­tungs­vo­lu­men beträgt rund 10,7 Millionen ­ki­lo­me­ter pro Jahr, davon 10,3 Millionen in Bayern.

Drei Be­triebs­stu­fen
Die Be­triebs­stu­fe 1 startet ab Ende 2022 zusammen mit der re­ak­ti­vier­ten Stau­den­bahn. Nach In­be­trieb­nah­me der Neu­bau­stre­cke Stuttgart – Ulm und des Projekts Stuttgart 21 sowie der weiteren Umbauten am und um den Augs­bur­ger Hbf („Mo­bi­li­täts­dreh­schei­be“)  wird die Be­triebs­stu­fe 2 gefahren. Die Be­triebs­stu­fe 3 beginnt mit Fer­tig­stel­lung der 2. S-Bahn-Stamm­stre­cke in München vor­aus­sicht­lich Ende .

In der 1. Be­triebs­stu­fe wird das bisherige Fahr­plan­kon­zept weit­ge­hend fort­ge­führt. Neu ist hier ins­be­son­de­re: Die Linie Treucht­lin­gen – Würzburg wird aus dem E-Netz Würzburg her­aus­ge­löst und gehört künftig zum E-Netz Augsburg. Dies er­mög­licht die 2-stünd­li­che um­stei­ge­freie Ver­bin­dung von München und Augsburg Richtung Ansbach und Würzburg.

Das bereits be­ste­hen­de, er­folg­rei­che Fahr­plan­an­ge­bot wird durch folgende Maßnahmen für die beiden Lose ergänzt:

· Um­stei­ge­freie Fahrt auf der Strecke München – Augsburg – Nörd­lin­gen – Aalen im Zwei-Stunden-Takt (bisher nur am Wo­chen­en­de). Die Züge von München nach Ulm verkehren tagsüber um­stei­ge­frei ebenfalls im Zwei-Stunden-Takt. Zusammen mit zwei­stünd­li­chen Um­stei­ge­ver­bin­dun­gen bleibt die stünd­li­che Fahr­mög­lich­keit erhalten.
· Min­des­tens stünd­li­che Bedienung der re­ak­ti­vier­ten Stau­den­bahn auf der Strecke Ges­serts­hau­sen – Lan­gen­neuf­nach. Im Berufs- und Schü­ler­ver­kehr gibt nach Augsburg durch­ge­hen­de Fahrten sowie zu­sätz­li­che Züge, die optimal an die Schul­zei­ten in Neusäß und Diedorf angepasst sind. Diese Züge ersetzen auch die heutigen Pen­del­fahr­ten zwischen Augsburg und Ges­serts­hau­sen.
· Ganz­tä­gi­ger 30-Minuten-Takt an Samstagen von Augsburg nach Din­kel­scher­ben und von Augsburg nach Aichach.
· Zu­sätz­li­che Züge im Berufs- und Schü­ler­ver­kehr auf den Strecken Ansbach – Würzburg und Ansbach – Treucht­lin­gen.
· Zu­sätz­li­che Ver­bin­dung im Be­rufs­ver­kehr gegen 17:00 Uhr zwischen (München-) Din­kel­scher­ben und Ulm. Die Ver­bin­dung gegen 21:30 Uhr von Augsburg nach Ulm entfällt.
· Zu­sätz­li­cher Zug im Be­rufs­ver­kehr gegen 06:30 Uhr ab Do­nau­wörth nach Augsburg ( – München). Die Ver­bin­dung gegen 17:30 Uhr auf der Linie Do­nau­wörth – Augsburg entfällt.
· Neuer Express-Zug Montag bis Freitag gegen 19:00 Uhr von Do­nau­wörth über Nörd­lin­gen nach Aalen mit schnellem Anschluss nach Stuttgart
· Neues Fahr­plan­kon­zept auf der Am­mer­see­bahn zur Anpassung an den neuen Fahrplan Buchloe – Gel­ten­dorf – München nach der Elek­tri­fi­zie­rung der Strecke München – Memmingen – Lindau mit um 30 Minuten ver­setz­ten Fahr­plan­zei­ten sowie ge­än­der­ten An­schlüs­sen, ins­be­son­de­re in Gel­ten­dorf und Weilheim
· Bedienung der geplanten neuen Halte in Brunnen und Würzburg-Hei­dings­feld Ost

In der Be­triebs­stu­fe 2 wird aufgrund der erheblich ver­kürz­ten Fahrzeit ein deutlich aus­ge­wei­te­tes Fern­ver­kehrs­an­ge­bot zwischen Stuttgart und München erwartet. Solange die Strecke Augsburg – Ulm nicht ausgebaut ist, wird dies vor­aus­sicht­lich vermehrt zu Über­ho­lun­gen und Fahr­zeit­ver­län­ge­run­gen im Re­gio­nal­ver­kehr führen.

In Be­triebs­stu­fe 3 wird die In­be­trieb­nah­me der 2. Stamm­stre­cke der S-Bahn München zu einem abermals neuen Fahr­plan­kon­zept zwischen München und Buchloe führen mit neuer Regional-S-Bahn im 30-Minuten-Takt von Buchloe über Gel­ten­dorf in die neue Stamm­stre­cke in München. Damit kann auf der Am­mer­see­bahn wieder zu dem bewährten heutigen Fahr­plan­kon­zept zu­rück­ge­kehrt werden.

Fahrzeuge
In beiden Netzen werden Neu­fahr­zeu­ge zum Einsatz kommen:

Im Los 1 wird eine Misch­flot­te aus ein­stö­cki­gen Trieb­zü­gen des Typs Mireo sowie dop­pel­stö­cki­gen Trieb­zü­gen des Typs Desiro HC von Siemens ein­ge­setzt. Die Fahrzeuge sind für 160 km/h zu­ge­las­sen und können flot­ten­über­grei­fend un­ter­ein­an­der gekuppelt werden. Die Fahrzeuge verfügen an jedem Einstieg über einen Mehr­zweck­be­reich. Eine umfassend bar­rie­re­freie Aus­stat­tung ist selbst-ver­ständ­lich. Groß­zü­gi­ge Sitz­tei­ler, ein hoher Vis-à-vis-Anteil, teilweise klapp­sitz­freie Mehr­zweck­be­rei­che und Ge­päck­racks erhöhen den Komfort zu­sätz­lich.

Im Los 2 werden neue Die­sel­trieb­zü­ge vom Typ Lint 41 von Alstom ein­ge­setzt. Die Fahrzeuge sind für 140 km/h zu­ge­las­sen. Auch diese Fahrzeuge verfügen an jedem Einstieg über einen Mehr­zweck­be­reich. Eine umfassend bar­rie­re­freie Aus­stat­tung ist ebenso selbst­ver­ständ­lich. Groß­zü­gi­ge Sitz­tei­ler, ein hoher Vis-à-vis-Anteil, teilweise klapp­sitz­freie Mehr­zweck­be­rei­che und Ge­päck­racks erhöhen den Komfort auch im Los 2 zu­sätz­lich.

Bar­rie­re­frei­heit
Be­son­de­ren Wert legt die BEG auf die Bar­rie­re­frei­heit. Die neuen Fahrzeuge er­mög­li­chen einen stu­fen­frei­en Einstieg an Bahn­stei­gen mit einer Höhe von 76 Zen­ti­me­tern (Los 1) bzw. 55 Zen­ti­me­tern (Los 2) über Schie­nen­ober­kan­te. Während die Fahrgäste im Los 1 beim Einstieg an den bereits  bar­rie­re­frei aus­ge­bau­ten Stationen heute noch eine Stufe nach unten über­win­den müssen, gelangt man künftig stu­fen­frei in die neuen Züge. Zudem lässt der Freistaat einige heute noch sehr niedrige Bahn­stei­ge aufhöhen.  Außerdem sind alle Züge mit roll­stuhl­ge­rech­ten Ein­stiegs­hil­fen, roll­stuhl­ge­rech­ten Toiletten, Roll­stuhl­plät­zen und Vor­rang­sitz­plät­zen für mo­bi­li­täts­ein­ge­schränk­te Reisende aus­ge­stat­tet.  Die Fahrzeuge ent­spre­chen den neuesten Vor­schrif­ten zur Bar­rie­re­frei­heit.

Hohe Qua­li­täts­an­for­de­run­gen
Um den Fahr­gäs­ten einen hohen Komfort und um­fang­rei­chen zu bieten, gel-ten hohe An­for­de­run­gen hin­sicht­lich Pünkt­lich­keit und An­schluss­si­che­rung, Stör­fall­ma­nage­ment, Sitz­platz­ka­pa­zi­tä­ten, Sau­ber­keit und Ser­vice­ori­en­tie­rung. Im Interesse einer hohen Pünkt­lich­keit wurden so­ge­nann­te Min­dest­wen­de­zei­ten vor­ge­ge­ben. So darf bei­spiels­wei­se ein Zug, der in München ankommt, frü­hes­tens nach 20 Minuten zurück Richtung Augsburg fahren. Damit wird vermieden, dass sich die Ver­spä­tung eines an­ge­kom­me­nen Zugs auf Gegenzüge überträgt. Die Zug-be­gleit­quo­ten werden in beiden Losen gegenüber dem Status quo deutlich erhöht, im Los 1 auf eine Ge­samt­quo­te von rund 180 % statt bisher 60 % und im Los 2 auf 50 % statt 30 %. Zudem wird in – unter Si­cher­heits­ge­sichts­punk­ten – aus­ge­wähl­ten Zügen be­darfs­ori­en­tiert zu­sätz­li­ches speziell ge­schul­tes Si­cher­heits­per­so­nal ein­ge­setzt.
Die Sitz­platz­ka­pa­zi­tä­ten, die schon in den ver­gan­ge­nen Jahren mehrfach erhöht wurden, werden ent­spre­chend der er­war­te­ten Nachfrage, unter be­son­de­rer Be­rück­sich­ti­gung des Berufs- und Schü­ler­ver­kehrs sowie des Frei­zeit­ver­kehrs an Wo­chen­en­den, fest­ge­legt. Zwischen München und Augsburg werden in den Haupt­ver­kehrs­zei­ten Züge mit über 1000 Sitz­plät­zen verkehren. Ab­wei­chun­gen von den ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Leis­tun­gen werden durch Ent­gelt­min­de­run­gen (so­ge­nann­te Pönale) bestraft. In diesem Vertrag kommt das neue Pünkt­lich­keits­mess­sys­tem der BEG zur Anwendung, durch das u.a.  Ver­spä­tun­gen abhängig von ihrer tat­säch­li­chen Dauer pö­na­li­siert werden. Des Weiteren muss das Ver­kehrs­un­ter­neh­men am Qua­li­täts­mess­sys­tem der BEG teil­neh­men. Damit prüft die BEG die Sau­ber­keit der Züge, die Funk­ti­ons­fä­hig­keit der Aus­stat­tung, die Fahr­gast­in­for­ma­ti­on im Zug, die Kompetenz und Ser­vice­ori­en­tie­rung der Zug­be­glei­ter, den Vertrieb, d. h. Fahr­schein-automaten und per­so­nen­be­dien­te Ver­kaufs­stel­len als auch die Kun­den­ori­en­tie­rung bei Be­schwer­den.

Vorgaben zur Fahr­gast­in­for­ma­ti­on
Die Züge müssen mit einem kun­den­freund­li­chen Echtzeit-Fahr­gast­in­for­ma­ti­ons­sys­tem aus­ge­stat­tet werden: Monitore in den Zügen sollen über aktuelle Ankunfts- bzw. Ab­fahrts­zei­ten sowie An­schluss­be­zie­hun­gen an den je­wei­li­gen Bahnhöfen in­for­mie­ren. Alle re­le­van­ten Soll- und Echt­zeit­da­ten müssen zudem an DEFAS Bayern, den bay­ern­wei­ten Datenpool für Aus­kunfts­sys­te­me, fließen. Die Fahrzeuge sind auf die Nach­rüs­tung von Fahrgast-WLAN und Repeatern vor­zu­be­rei­ten.

Tarif und Vertrieb
Die Fahrgäste müssen ohne be­son­de­ren Aufwand jederzeit Ta­ri­fin­for­ma­tio­nen erhalten und einen Fahr­schein kaufen können. Das gilt für Ver­bund­fahr­schei­ne und solche nach dem Nah­ver­kehrs­ta­rif für Re­gio­nal­zug­fahr­ten über Ver­bund­ge­bie­te hinaus. Gewünscht wird auch der zu­sätz­li­che Verkauf von Fern­ver­kehrs­fahr­schei­nen. Im Interesse der Fahrgäste gibt die BEG für per­so­nen­be­dien­te Ver­kaufs­stel­len Mindest-öff­nungs­zei­ten vor. Alle Stationen verfügen über min­des­tens einen Fahr­aus­weis-automaten.

Per­so­nal­über­gang
Die BEG gibt den Bietern vor, dass sie vom Alt­be­trei­ber die für die Er­brin­gung der Ver­kehrs­leis­tung be­schäf­tig­ten Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer zu über­neh­men haben.

Brut­to­ver­trag mit An­rei­z­ele­men­ten
Die BEG schließt mit den Ei­sen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men (EVU) einen Brut­to­ver­trag mit An­rei­z­ele­men­ten ab. Dieser ga­ran­tiert den Be­trei­bern ein festes Be­stel­le­rent­gelt. Die BEG übernimmt bei dieser Form des Vertrags das Er­lös­ri­si­ko, die Betreiber können eine Prämie bei ge­stie­ge­nen Fahr­gast­zah­len erhalten. Bei stei­gen­dem Fahrgast-aufkommen pro­fi­tie­ren damit sowohl der Freistaat als auch die EVU.