Wenn man mal den Notruf braucht… funktioniert er nicht

Sprechstelle in der S-Bahn.Foto: Jürg Stuker. Quelle: flickr.

Gleich zweimal innerhalb weniger Wochen war es notwendig, dass ich einen Notruf absetze. Einmal per Handy und einmal über die Sprechstelle in der S-Bahn. Und wie die Überschrift verrät, beide Male funktionierte es nicht. Wenn ihr mich fragt, ein absoluter Skandal für ein Land, das sich Hochtechnologieland schimpft und stolz darauf ist, wie sozial und sicher es doch hier ist.

Zugegeben, es war in einer absoluten Einöde in der ich den Notarzt anrufen musste. Die Empfangsstärke des Handys schwankte von einem bis zu allen Balken, von Meter zu Meter unterschiedlich. Und dennoch: als ich die 112 wählte wurde mir fast voller Empfang und sogar mit 3G angezeigt. O2 sah sich offensichtlich trotzdem nicht in der Lage, die Verbindung zum Notruf herzustellen. Auf einen Tweet an den Support gab es bis heute keine Antwort. Der Notarzt kam dennoch – klassisch über Festnetztelefon herbeigerufen.

Gestern nachmittag in der S-Bahn nach Hause dann die nächste Situation. Eine Schlägerei im Zug, Kinder die Papa schreien und heulen, Fahrgäste die nach vorne flüchten und die Kinder aus der Gefahrenzone holen. Klare Situation: den Lokführer informieren, die Polizei muss her. Da es im hinteren Zugteil war blieb nur die Notsprechstelle. Gedrückt und die LED “Warten” leuchtet auf. Einige Sekunden später blitzt das “Sprechen” auf und die Sprechstelle ist wieder aus. Nochmal gedrückt – selbiges passiert wieder. Auch beim dritten, vierten Mal drücken. Der Lokführer hat nicht reagiert. Am nächsten Halt ist dann eine Dame schnell vorgelaufen, andere haben die Tür aufgehalten, damit der Zug nicht losfährt.

Für was gibt es die Sprechstelle überhaupt? Offensichtlich war dem Lokführer egal was im Zug passiert. Ich möchte nun nicht unterstellen, dass er einfach die Sprechstellenanforderung gelöscht hat. Vielleicht war es auch nur ein technischer Defekt im Mikrofon oder im Lautsprecher. Aber die Anforderung muss er definitiv mitbekommen haben, auch dass kurz hintereinander mehrfach angefordert wurde. Da hätte meines Erachtens ein Hinweis über die Innenlautsprecher erfolgen müssen, eine andere Sprechstelle zu benutzen. Offensichtlich sind dem Lokführer seine Kunden scheiß egal. Danke auch, und solche Leute werden von unseren Steuern und Fahrgeldern bezahlt.

Es ist beschämend, dass wir in unserer hochtechnologisierten und sicherheitssensibilisierten Gesellschaft solche Erfahrungen machen müssen. Ein Notruf sollte in jeder Lage sicher und ohne Zeitverlust abzusetzen sein. Schöner wäre es natürlich, man bräuchte so etwas wie einen Notruf überhaupt nicht. Aber das ist nur Wunschdenken.

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