CSU weiter für Lohndumping bei den Bahnen

Wie Eurailpress.de berichtet, hat sich die CSU dagegen ausgesprochen, dass die Ausschreibungsvergaben des schienengebundenen Nahverkehrs in Bayern durch die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) an repräsentative Tarifverträge gebunden werden. Die CSU spricht sich damit eindeutig für Lohndumping aus. Auf Kosten der Beschäftigten. Auf Kosten der Bürger. Auf Kosten unser aller Wohl.

Hartmut Mehdorn als Chef von Air Berlin vorgeschlagen

Hoffentlich landen sie auch zukünftig noch sicher mit Air Berlin. Foto: Marcus Bölt

Heute Morgen hat Air Berlin-Chef Joachim Hunold öffentlich verkündet, dass er seinen Rücktritt zum 1. September angeboten hat. Gleichzeitig schlug er den früheren Bahn-Chef Hartmut Mehdorn als vorübergehenden Nachfolger vor. Ob dies eine weise Entscheidung war darf angesichts des Scherbenhaufens Deutsche Bahn, den Hartmut Mehdorn hinterlassen hatte, angezweifelt werden.

Als Bahnchef hat sich Hartmut Mehdorn einige Schnitzer geleistet. Nicht nur, dass er einen extrem harten Sparkurs diktiert hat, an dem die Bahn noch einige Jahre zu leiden hat, trotz teilweiser Umkehr durch Rüdiger Grube.  In die Verantwortung von Hartmut Mehdorn fallen auch Marketing-, Vertriebs- und Führungsdesaster. Als Beispiel sei hier die Tarifreform von 2003 genannt, mit der erfolglosen Abschaffung der BahnCard 50. Zu groß war der Widerstand und die Empörung bei den Kunden der Bahn. Die Reform musste reformiert werden.

2008 wurde das Jahr der Achsen. Nach einer Entgleisung eines ICEs auf der Kölner Hohenzollernbrücke mussten die Züge öfters zum Achsencheck. Es wurden Haarrisse entdeckt, die Züge mussten noch öfter zum Check. Bei den ICE-T-Zügen konnte sogar die Neigetechnik nicht mehr zum Einsatz kommen. Die Folgen waren Zugausfälle, Kapazitätseinschränkungen und Fahrzeitverlängerungen. Die Werkstätten waren überlastet, die Kapazitäten durch den konsequenten Abbau der Jahre vorher nicht mehr vorhanden. Die Checks wurden in den Vorgängerjahren immer weiter auseinandergezogen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis so etwas passieren musste. Es war unheimliches Glück, dass die Achse des ICE nicht 30 Minuten vorher bei 300 km/h gebrochen ist.

Doch nicht nur die ICEs waren von den Achsen betroffen, viele weitere Baureihen – darunter auch die Berliner S-Bahn – verwendeten die gleichen Achsen. Das Berliner S-Bahn-Chaos von 2009 – schon nach Mehdorn aber Auswirkungen aus seiner Amtszeit – ist vielen noch deutlich in Erinnerung. Den Berliner Fahrgästen sowieso, ist die S-Bahn doch bis heute noch nicht in den normalen Betrieb zurückgekehrt. Hier waren es nicht nur die Schließung von Werkstätten, auch gefälschte Papiere sind der Grund für das Chaos – als Folge eines absoluten Sparwahns.

Auch die Speisewagen wollte Hartmut Mehdorn 2003 abschaffen. Gerade die Speisewagen sind eigentlich ein absolutes Alleinstellungsmerkmal der Bahn. So etwas gibt es im Flugzeug nicht, das kann das Auto nicht bieten: unterwegs gemütlich speisen und gleichzeitig vorwärts kommen. Auch hier scheiterte Mehdorn am Widerstand der Öffentlichkeit.

Die 10 Jahre der Deutschen Bahn unter Hartmut Mehdorn ist gefüllt mit Pleiten, Pech und Pannen, Streiks und der Datenschutzaffäre, bei der die Bahn ihre eigenen Mitarbeiter ausspähen ließ. Es bleibt zu hoffen, dass die Ära Hartmut Mehdorn – sofern sie denn wirklich kommt – auch nur eine kurze Interims-Ära wird und ein richtiger Nachfolger für Joachim Hunold gefunden wird. Ansonsten kann man nur sagen: Tschüß, Air Berlin. Deine Tage sind gezählt.

Die @DB_Bahn twittert

Zugegeben, das ist keine neue Meldung. Das ging vor ein paar Wochen, als die Bahn mit dem twittern begonnen hatte, ja fleißig durch die Medien. Beim @mahrko könnt ihr nachlesen, welcher Aufwand bei der Bahn betrieben werden musste um den Twitter-Account @DB_Bahn starten zu können und weitere Hintergrundinfos, wie das intern gehandhabt wird. Insofern soll das hier kein Wow, die Bahn twittert-Beitrag werden, sondern ein Wow, das funktioniert richtig gut-Beitrag.

Früher gab es ja schon einmal einen Versuch der Bahn, mit den Kunden via Twitter in Kontakt zu treten. Das Dialog-Team von DB Regio Bayern aus Nürnberg hatte schon einmal ein Account eingerichtet, sind aber irgendwann verstummt. Warum kann ich jetzt nur spekulieren, ich vermute, man hat den Aufwand dafür einfach unterschätzt. Schade, denn Twitter ist die Kommunikation mit dem Kunden über den kurzen und schnellen Weg.

Nun ist man eben vor einigen Wochen bundesweit mit dem Account @DB_Bahn auf Twitter gestartet. Natürlich bin ich sofort gefolgt und hatte auch vor, den direkten kurzen Weg zu nutzen. Und das hab ich jetzt auch schon getan und bin begeistert:

Dieser Zugvoranzeiger am Münchner Marienplatz ist seit Wochen kaputt. Wird da auch mal was repariert? @DB_Bahnhttp://twitpic.com/5tj8me

@marcusboelt Danke für die Meldung. Die Kollegen vor Ort wissen schon Bescheid und kümmern sich darum. /jn

Ob der Anzeiger jetzt repariert ist, entzieht sich meiner Kenntnis, ich bin seitdem nicht mehr vorbeigekommen. Persönlich vermute ich mal, dass nicht. Aber da kann das Twitter-Team ja nichts dafür. Auf jeden Fall hätte ich niemals so etwas per E-Mail gemeldet, bis ich zuhause bin hab ich das zum einen vergessen, zum anderen hätte ich erst das Foto vom iPhone auf den Rechner laden müssen zum anhängen – zuviel Aufwand. Auch per Telefon hätte ich das sicher nicht gemeldet, ich rufe doch keine abzockteuren 0180-Nummern an, damit ich der Bahn einen Defekt ihrer Anlagen melde.

@DB_Bahn Darf man mit dem Weltmeisterinnenpass eigentlich auch den RailJet bis Salzburg benutzen?

@marcusboelt Ja, mit dem Weltmeisterinnen-Pass können Sie den RailJet bis Salzburg nutzen. /jn

Auch hier eine kurze und knackige Frage, die auch innerhalb kurzer Zeit beantwortet wurde. Ohne, dass man sich irgendwo in einem Reisezentrum anstellen muss, ohne, dass man dafür extra Zeit aufwenden muss, ohne, dass einem ein unmotivierter Mensch mit ostdeutschem Dialekt unfreundlich antwortet. Super bequem.

Kostenlos Toblerone von @DB_Bahn Danke schön.

@marcusboelt Mmhh lecker, da hätten /me und /mi auch ganz dolle Lust drauf ;-) . /mi

 

Ich glaube, hier wissen die Damen und Herren von @DB_Bahn selber noch nicht einmal den Hintergrund. Ich fuhr vergangenen Dienstag im ICE 545 und zwischen Hannover und Berlin wurden als Entschädigung für die bauarbeitenbedingte Fahrzeitverlängerung kostenlos Tageszeitungen und Toblerone gereicht. Und ich wollte meine Timeline einfach mal dran teilhaben lassen. Dass dann @DB_Bahn auch gleich drauf reagiert hätte ich nicht gedacht, aber es zeigt, dass man den Account auch unbedingt menscheln lassen will. Finde ich Klasse!

Folgt Ihr schon @DB_Bahn? Wird höchste Zeit. Und bitte so weitermachen!

 

Ich bin Weltmeisterin – 4: Zugauswahl nach Steckdosen

Als mobiler Mensch bin ich immer von einem geplagt: der Akku meines iPhones wird immer irgendwann leer und wenn ich viel unterwegs bin wird er das auch noch mitten am Tag. Auch die Zeit in den Zugfahrten lassen sich wunderbar mit Spielen, Videos, Twitter und Facebook vertreiben, aber man kommt dann einmal quer durch die Republik gefahren nur noch 30-40% Akku an – an die Rückfahrt ist gar nicht mehr zu denken, der Rest-Akku geht sicher noch vor Ort aus.

Aber die Deutsche Bahn hat ja an Leute wie mich gedacht, die ständig mit Handys und Laptops unterwegs sind und hat in ihren Fernverkehrszügen seit längerem schon Steckdosen eingebaut. Erst gab es sie nur an den Plätzen mit Tischen, seit 1997 der ICE 3 erschienen ist, hat man sie an jedem Sitzplatz – vorausgesetzt man ist im richtigen Zug unterwegs. Wie bereits erwähnt war der ICE 3 der erste Zug, der den neuen Standard mit der Steckdose an allen Plätzen angeboten hat, es folgte der ICE-T. Die alten Züge des ICE 1 wurden später einem Re-Design unterzogen und auch bei diesem finden sich die Steckdosen jetzt an allen Plätzen.

Wenn ich nun eine Zugfahrt unternehme, dann versuche ich die Züge des ICE 2 zu vermeiden, denn dort sind die Steckdosen in den meisten Zügen noch rar gesät. Zwar befinden sich die Züge auch in einem Re-Design-Umbau – ähnlich des ICE 1 vor wenigen Jahren – doch ist es noch Glückssache dort einen umgebauten Zug zu erwischen. Jetzt mit dem Weltmeisterinnenpaß fahre ich auch lieber länger und einen Umweg wenn ich dafür meine geliebte Steckdose habe. Für Laptop und iPhone.

Um die einzelnen ICEs zu erkennen gehe ich immer auf die Seite von Marcus Grahnert, er stellt dort schon seit Jahren die Wagenreihungspläne ins Internet ein, die Aufschluß über die ICEs geben. Die ICE 1 besitzen die Wagennummern 1 bis 14 ohne die Wagen 10 und 13, die ICE 2 führen die Wagennummern 21 bis 27 oder 31 bis 37. ICE 3-Züge haben die Wagennummern 21 bis 28 oder 31 bis 38, die ICE-T führen ebenfalls die Nummern 21/31 bis 28/38, es fehlen dort die Wagen 25/35 und bei kurzen ICE-Ts auch die die Wagen 24/34 und 26/36.

Ich bin Weltmeisterin – 3: Köln und Berlin

Nein, haltet mich bitte nicht für normal. Ich bin es nicht, sonst würde ich ja solche Aktionen nicht bringen können. So Aktionen wie mit dem Weltmeisterinnen-Pass durch die Gegend zu fahren. Allerdings bin ich da wohl auch nicht der Einzige.

Jedenfalls ging es am Dienstag wieder nach Köln, mit Unterbrechungen in Augsburg und Ulm. Den Tag später gings weiter nach Berlin und abends mit dem letzten Zug wieder heim – für den letzten Zug wurde ich zwischenzeitlich noch als mutig bezeichnet, hab ich ja nur 27 Minuten Umsteigezeit in München auf meine letzte S-Bahn. Aber: die Bahn überraschte.

Nachdem wir nicht nur schon zu spät in Berlin abgefahren sind, hatte unser ICE in Leipzig Probleme mit dem Ankuppeln eines weiteren Zugteils. Erst beim dritten Versuch mochten sich die beiden Zugteile und wir sind mit über 20 Minuten Verspätung los. Der Zug hatte aber genügend Puffer im Fahrplan eingebaut, denn in München waren wir pünktlich. Eigentlich ab Bamberg schon. Das hat mich doch etwas verblüfft.

Aktuell bin ich gerade unterwegs nach Mannheim, mein ICE musste allerdings zwischen Augsburg und Ulm eine Umleitung fahren und nach Ulm gabs noch eine Bahnübergangs-Störung gratis dazu. Aus Stuttgart sind wir mit 42 Minuten Verspätung raus. 18 Minuten fehlen jetzt noch, dann wirds ein Fall für das Fahrgastrechte-Formular. Da geht noch was, Deutsche Bahn ;)

3425 km hab ich mit dem Weltmeisterinnen-Pass jetzt schon hinter mir und habe gerade etwa 70 Minuten Verspätung an meinen Zielbahnhöfen gesammelt. Da hatte ich doch mit mehr gerechnet. Vielleicht ist die Bahn doch wieder deutlich besser geworden als ihr Ruf.

Ich bin Weltmeisterin – 2

Puh, war das ne Nacht, diese Rückfahrt aus Köln. Nicht groß problematisch, nicht groß erlebnisreich, aber lange. Viel zu lange. Um 22.55 Uhr sollte es losgehen, der ICE musste aber noch auf Anschlußreisende warten und so gings halt 5 Minuten später los. Bis Frankfurt Flughafen war das locker aufgeholt.

In dem Zug gabs dann eine positive Überraschung: der Service vom BordBistro. Anstatt zu warten bis die Fahrgäste zu ihm (nicht) kommen, schnappte sich der Mitarbeiter einfach ein Tablett mit einer Getränkeauswahl und ging durch den Zug und fragte. Ich bin mir sicher, er hat so mehr verkauft, als wenn er in seinem Bistro geblieben wäre. Mir ersparte es den Weg zum Bistro, denn ich hatte schon vor mir ein Bier zu holen, nachdem der Schaffner meine Fahrkarte kontrolliert hätte.

Wie erwähnt, bis Frankfurt Flughafen – meinem Umsteigepunkt – war der Zug wieder pünktlich. Mein Anschlusszug kam 10 Minuten später, bis in den Süden sollten es zwischenzeitlich bis zu 30 Minuten werden. Mein ursprünglicher Reiseplan sah vor in Pasing auf die erste S-Bahn ins Dorf umzusteigen, aufgrund der Verspätung war ich dann aber schneller mit einem Umstieg in Augsburg und Mammendorf. Gut, wenn man Internet unterwegs dabei hat und alles raussuchen kann.

Apropos Internet: meine ursprüngliche Idee, nach dem Umstieg im Zug zu schlafen, hat das Internet erfolgreich durchkreuzt. Zu sehr bin ich im Chat hängen geblieben und irgendwann war auch der Punkt erreicht, an dem sich es auch nicht mehr gelohnt hätte. Und da der Zug bessere Repeater hatte als die Züge tagsüber ist auch das Internet vom O2-Surfstick fast nicht ausgefallen. Lediglich drei Unterbrechungen gab es – beim WLAN im ICE sah das schon anders aus: speziell zwischen Montabaur und Frankfurt war das schon eher eine Qual, laufende Unterbrechungen und neu einloggen am T-Mobile Hotspot waren nur noch nervig. Ich hätte den Stick wohl gleich rausholen sollen.

Für die Bahnfreaks unter Euch vielleicht interessant: IC1591 von Frankfurt nach Stuttgart – in der Nacht Sonntag/Montag bis München – verkehrt mit einem ICE-T. Nicht erst seit kurzem, vor Jahren habe ich den Zug schon einmal benutzt und auch damals war es bereits ein ICE-T, der als IC verkehrt. Was wohl an den vielen Halten liegt, die der Zug in der Nacht einlegt. Halte wie in Wiesloch-Walldorf, ein Ort an dem ich mich tagsüber sicher nicht hinverlaufen hätte.